Christina Mergel
Promovierende/-r - Kohorte 1
Germanistische Mediävistik
Forschungsprojekt
„Edelsteine im Umbruch – Die Umsetzung von Fabelstoffen im Textzeugen Cod. Bodmer 42 (15. Jahrhundert)" (Arbeitstitel)
Das Forschungsvorhaben stellt die Handschrift Cod. Bodmer 42 (1455–1460, Bibliotheca Bodmeriana, Cologny/Genf) ins Zentrum der Untersuchung, um davon ausgehend Fragen zu heteronomen Abhängigkeiten und autonomen Text-Umsetzungen an einem konkreten Gegenstand zu verhandeln. Der Codex überliefert Ulrich Boners Edelstein und ist im Produktionszusammenhang der sog. ‚Lauber-Werkstatt‘ entstanden. Insofern gehört Cod. Bodmer 42 unter den beiden Gesichtspunkten ‚Werkzugehörigkeit‘ und ‚Herstellungskontext‘ zwei Corpora an, die sich überschneidend nur in diesem einen Textzeugen erhalten haben. Inwiefern der Codex von den Konventionen dieser beiden Corpora abhängt und inwiefern seine Umsetzung eigengesetzlichen Kriterien folgt, ist im Rahmen der Dissertation zu klären.
Die Konzentration auf gerade diesen Textzeugen begründet sich in seiner Singularität, die sich sowohl im Material als auch in den Inhalten spiegelt. Cod. Bodmer 42 weist beispielsweise Besonderheiten auf in Textbestand und -abfolge, in der Zweisprachigkeit aus Latein und Volkssprache, in der Ausstattung, in den inter- und paratextuellen Bezügen und in seinem bilderlosen Zustand, der in der Forschung als „halbfertig“ bezeichnet wurde.
Die Handschrift soll dabei in ihren kulturell-historischen Kontexten, wie etwa dem Medienwandel und der zunehmenden volkssprachigen Schriftlichkeit, verortet werden. Denn – so lautet eine Hauptthese des Vorhabens – in diesem Textzeugen manifestieren sich Reaktionen sowohl auf die Innovationen und Veränderungen seiner Zeit (z. B. Buchdruck, Rationalisierungs- und Ökonomisierungsprozesse) als auch auf bekannte und etablierte Traditionen (z. B. die europäische Fabelüberlieferung, insbesondere Boners Edelstein, die Handschriftenproduktion der ‚Lauber-Werkstatt‘). So sollen sich wechselseitig Rückschlüsse ergeben von den zeitgenössischen Veränderungen und Traditionslinien auf die Besonderheiten der Handschrift und vice versa.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, diese Besonderheiten im und am konkreten Objekt zu ordnen, auszuwerten und zu deuten. Dafür kommen Methoden der Kodikologie, der Paläographie und der Stemmatologie ebenso zum Einsatz wie literaturwissenschaftliche Ansätze zur Textimmanenz, Intertextualität, Rezeptionsästhetik und Editionsphilologie. Eine Transkription der Handschrift nach den Richtlinien der TEI ist vorgesehen.
Curriculum Vitae
seit 03/2024 – Wissenschaftliche Mitarbeiterin, KU Eichstätt-Ingolstadt, Editionsprojekt: „Boners Edelstein – digital“
seit 01/2023 – Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Friedrich-Schiller-Universität Jena
10/2022–05/2023 – Wissenschaftliche Hilfskraft, Staatsbibliothek zu Berlin, Projekt: Katalogisierung mittelalterlicher Handschriften (EAB Paderborn)
07/2022–09/2022 – Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Leipzig
04/2022–07/2022 – Stipendiatin, Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel (Doktorand:innenstipendium der Rolf und Ursula Schneider-Stiftung)
10/2021–03/2022 – Stipendiatin, Universität Genf / Bibliotheca Bodmeriana (Doctoral Exchange Grant der Zeno Karl Schindler Stiftung)
10/2019–09/2021 – Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Leipzig
04/2018–07/2018 – Stipendiatin, Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel (Stipendium „Digital Humanities“ des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel)
12/2017–09/2019 – Copy-Editorin, le-tex publishing services GmbH (Leipzig)
04/2017–11/2017 – Volontärin, Verlag Nagel & Kimche (Zürich)
08/2014–12/2015 – Wissenschaftliche Hilfskraft, Universität Leipzig, Projekt: „Diebold Lauber – digital“
10/2012–09/2015 – Studium: M.A. Germanistik, Universität Leipzig
10/2012–03/2013 – Studentische Hilfskraft, Universität Leipzig
10/2009–09/2012 – Studium: B.A. Germanistik, Universität Leipzig / Universität Oslo (ERASMUS, 08/2011–04/2012)
Präsentationen
„Olle Ochsenköpfe? Deutungsversuch zur Erstellung des Rubrikenverzeichnisses der späten ‚Lauber‘-Handschrift Ms. 304 (Colmar) anhand ihres Materials“ – Tagung „Registerkulturen“, Wolfenbüttel (15.11.2024)
„Nothing to see...? How the Crisis in Manuscript Production Displaced the Images“ – Leeds International Medieval Congress, University of Leeds (03.07.2024)
„Bilderhandschriften ohne Bilder. Die Modifizierung etablierter Arbeitsschritte in der späten ‚Lauber-Werkstatt‘“ – Kolloquium des Graduiertenkollegs, Jena (22.04.2024)
„Cod. Bodmer 42 – ein ‚Halbfertigprodukt‘?“ – Sommerkurs „Inschrift – Handschrift – Buchdruck. Medien der Schriftkultur im späten Mittelalter“, Greifswald (21.06.2023)
„Gang hin du arme creatur. Zur Inszenierung der Tierfiguren in Ulrich Boners Edelstein“ – Tagung „Zwischen Allegorese und Agency. Zur Narratologie mittelalterlicher Tierfiguren“, München (15.06.2023)
„Boners Werk und Laubers Beitrag? Die Edelstein-Handschrift Cod. Bodmer 42 im Gefüge zweier Korpora“ – Kolloquium des Graduiertenkollegs, Jena (08.05.2023)
„Mehr als nur Material. Zu Entstehungskontexten von Cod. Bodmer 42 in seinen Werkstoffen“ – Graduiertentagung „Überlieferungs- und Provenienzgeschichte als Kulturgeschichte. Der Zeugniswert mittelalterlicher Handschriften“, Freiburg i. Üe./Schweiz (06.09.2022)
„Edelsteine im Umbruch. Cod. Bodmer 42 als ein (Halbfertig-)Produkt des 15. Jahrhunderts?“ – 18. OFFG, Freiburg i. Br. (28.04.2022)
„Überlegungen zur Singularität von Cod. Bodmer 42“ – Westschweizer mediävistisch-germanistisches Forschungscolloquium, Genf/Schweiz (11.03.2022)
„Ein Blick ins Material. Zur Kodikologie von Cod. Bodmer 42“ – 16. Freiburg-Leipzig-Forum, Leipzig (16.02.2022)
„Eine TEI-Transkription von Cod. Bodmer 42. Möglichkeiten einer digitalen Edition“ – 15. Freiburg-Leipzig-Forum, Freiburg i. Br. (15.08.2021)
„Boners Werk und Laubers Beitrag? Zu den Gliederungselementen in Cod. Bodmer 42“ – 14. Freiburg-Leipzig-Forum, Leipzig (14.03.2020)