Tim Haubenreißer
Assoziierte/-r Promovierende/-r
Philosophie
Forschungsprojekt
Das Forschungsprojekt untersucht Epikurs Wissenschaftskritik, vor allem mit der im Brief an Pythokles wiederholt auftauchenden Bewertung, dass Meinungen, Ätiologien oder ganze Wissenschaften (z. B. die Astronomie) als „leer“ (κενός, μάταιος) bezeichnet werden. Epikur setzt dem die feste Überzeugung (πίστις βέβαιος) als Ergebnis (φυσιολόγημα) naturphilosophischer Untersuchung entgegen, deren Aufgabe es ist, Erklärungen „in Übereinstimmung mit den Phänomenen“ (συμφώνως τοῖς φαινομένοις) zu liefern. Die Arbeit verfolgt drei methodische Zugänge: einen philologischen, der sich auf präzise Textanalyse konzentriert; einen systematischen, der das Konzept der Übereinstimmung zwischen Erklärung und Phänomen klärt; und einen philosophiehistorischen, der Epikurs Kritik im weiteren Kontext antiker Astronomie und Philosophie verortet. Grundlage der Analyse sind astronomische Texte (z. B. Hipparchos’ Kommentar zu den Phänomenen von Eudoxos und Aratos, Geminos’ Einführung in die Phänomene) sowie klassische philosophische Quellen (insbesondere der Phaidon, in dem der Ausdruck συμφωνεῖν in Beschreibungen der hypothetischen Methode prominent vorkommt). Das Prädikat der „Leerheit“ wird als zentrales epikureisches Konzept behandelt. Es bezeichnet eine verfehlte wissenschaftliche Vorgehensweise, etwa wenn fachfremde Annahmen (mythologischer, mathematischer oder anderer Art) ohne methodische Rechtfertigung oder ethische Notwendigkeit in die naturphilosophische Untersuchung einbezogen werden. Es unterscheidet sich damit von Aristoteles’ Bewertungskriterien wie Wahrheit/Falschheit, Genauigkeit/Ungenauigkeit oder Klarheit/Unklarheit. Darüber hinaus untersucht die Dissertation Epikurs polemische Haltung gegenüber der zeitgenössischen astronomischen Praxis und der sich entwickelnden platonisch-aristotelischen Astraltheologie und bietet eine systematische Bewertung, die über die verbreitete Interpretation seiner Philosophie als primär ethisch orientiert hinausgeht.
Curriculum Vitae
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Antike und mittelalterliche Philosophie (Prof. Dr. Matthias Perkams) der FSU Jena
- Dissertation zur antiken Wissenschaftstheorie und -logik: „Leere Meinung und leere Wissenschaft. Epikurs Wissenschaftskritik im Kontext der klassischen Philosophie und astronomischen Fachdisziplin“
- Idee und Durchführung der Projekte „Latein in der und für die Philosophie“, „Philosophisches Übersetzen digital“ und „Übersetzen mit Programmanleitung. Digitale Dialoge zur Interpretation lateinisch-philosophischer Texte“
- Dozentur, lehrorganisatorische Tätigkeit, curriculare Gestaltung
digital fellow des Stifterverbands (Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre)
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Kirchengeschichte (Prof. Dr. Katharina Bracht) der FSU Jena
- Mitarbeit an der Erstellung eines DFG-Antrags zur Förderung des Graduiertenkollegs „Autonomie heteronomer Texte“ (GRK 2792)
Master im Studiengang Philosophie mit individuellem (antiken) Schwerpunkt an der FSU Jena
Bachelor in den Studiengängen Philosophie und Klassische Philologie an der FSU Jena
Präsentationen
Die hypothetische Methode in Platons Phaidon (Collegium Philosophicum, Jena)
συμφωνία τοῖς φαινομένοις. Traditionslinien methodologischer Terminologie in der antiken Philosophie und Astronomie (Kolloquium des GRK „Autonomie heteronomer Texte“, Jena)
Begriffe und philosophisches Übersetzen: Eine Perspektive (XI. Tagung für Praktische Philosophie)
Leere Meinungen und leere Wissenschaft. Zu Epikurs Wissenschaftskritik (Collegium Philosophicum, Jena)
Philosophisches Latein – Einführung eines neuen fachdidaktischen Programms (XXV. Aquilonia 2022, Rostock, )
unitio et progressus – Lateinlehre als curriculare Perspektive des Philosophiestudiums (32. AKS-Arbeitstagung, TU Darmstadt)
Skizze des Dissertationsprojektes (Doktorandenform auf dem VI. Kongress der Gesellschaft für antike Philosophie, Frankfurt)