International Summer School 2026 – Heteronomous Texts in Roman and Germanic Law

Vom 07.09. bis 10.09. fand unsere diesjährige Summer School in Jena statt. Gäste aus Österreich, Portugal und Brasilien hatten sich auf den Weg ins Saaletal gemacht, sodass die Veranstaltung zu Recht das Attribut „internationale Summer School“ tragen durfte. Beschäftigt haben wir uns in den vier Tagen mit Heteronomie in römischen und germanischen Rechtstexten.

Den Aufschlag dabei machte Professor Martin Pennitz (Innsbruck) mit einem Vortrag zum Begriff der Kommentarliteratur im klassischen römischen Recht. Im Vordergrund standen hier die beiden großen Kommentierungsstränge ad Sabinum und ad Edictum. Ausgehend von der Lemmathese von Fritz Schulz, zu der die im GRK-Promovierenden Nils Humrich, Alexander Müller und Andreas Kaufmann (assoziiert) in ihren Doktorarbeiten forschen, haben wir versucht, den Begriff des commentarius näher zu umreißen und in der anschließenden Studygroup in den Digesten Beispiele herausgearbeitet, die für oder gegen die Lemmathese in den verschiedenen Kommentaren sprechen.

Am zweiten Tag führte uns Professor Jan Dirk Harke (Jena) thematisch in den Norden Galliens. In seinem Vortrag zur Interpretation der Paulussentenzen wandte er sich gegen die im 20. Jahrhundert vorherrschende „These des Niveauverlusts“ des klassischen römischen Rechts durch die vulgarrechtliche Rezeption. Auch hierzu haben wir in den Studygroups in Vergleichen der Paulussentenz mit der Interpretatio Beispiele für autonome Rechtsaktualisierung des anonymen Verfassers der Interpretatio herausgearbeitet.

Am dritten Tag haben wir mit der Lex Baiuvariorum unter Anleitung von Dr. Felix Grollmann-Hauber (München) den Übergang zu den „klassischen germanischen Stammesrechten“ vollzogen und am vierten Tage mit Professor Adrian Schmidt-Recla (Jena) und dem Edictum Rothari der Langobarden fortgesetzt. An diesen Tagen gingen die Teilnehmer/innen der These nach, ob sich in den germanischen Stammesrechten römische Rezeptionen wiederfinden lassen, die der im 19. und frühen 20. Jahrhundert propagierten und von nationalistischen Tendenzen überformten Theorie der unabhängigen Stammesrechte widersprechen.

Abgerundet wurden die jeweiligen Tage durch Vorträge der Doktoranden und eine anschließende Diskussion, die von Frau Dr. Nina Katharina Borstnar geleitet wurde.

Wir blicken zurück auf eine interessante Summer School in Jena, die den Blick so manches Romanisten erweitert hat. Es waren vier sehr schöne Tage und Abende, und die Freude bei uns allen ist groß, die meisten kommende Woche auf dem 45. Rechtshistorikertag in Wien wiederzutreffen.

Summerschool 2026
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