Adrian Mehner
Promovierende/-r - Kohorte 1
Klassische Philologie/ Latinistik
Forschungsprojekt
Avian – Studien zu den Prätexten seines Fabelbuchs und ihrer Verarbeitung
Wohl um 400 n.Chr. verfasste der römische Autor Avian ein Werk, das sich aus 42 in elegischen Distichen gedichteten Fabeln zusammensetzt. Er folgte damit den antiken Dichtern Phaedrus und Babrios, die ihre Werke ebenfalls allein aus versifizierten Fabeln bestehen ließen – der eine auf Latein in jambischen Senaren, der andere auf Griechisch in Choljamben.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Avian in bewusste Abhängigkeit von seinen beiden Vorgängern begibt und dadurch sowohl inhaltlich-stoffliche wie auch formal-rhetorische Züge von diesen übernimmt. Schon in seiner Prosa-Praefatio nennt er neben Aesop, Sokrates und Horaz auch Phaedrus und Babrios explizit als Vorgänger.
Avians Fabelcorpus lässt sich daher auf vielseitige Art und Weise in den Kontext der Autonomie heteronomer Texte einordnen. Eine besondere Abhängigkeit besteht zu den Fabeln des Babrios. Durch die Neubearbeitung, Erweiterung und Aktualisierung einiger babrianischer Texte nimmt Avian eine Wiedererzählung dieser in einer anderen Sprache vor. Es handelt sich also nicht nur um eine Collectio antiker Fabeln, sondern auch um eine Renarratio von griechischen Fabeln in lateinischer Sprache. Hier ist Avians Werk zwar inhaltlich heteronom zu dem des Babrios, löst sich aber auch von ihm im Sinne einer Aemulatio. Formal scheinen Avians Fabeln zudem von Phaedrus’ Werk abhängig zu sein, welches dem rhetorisch-kompositorischen Ideal der augusteischen Dichter entspricht. Die Untersuchung dieser Abhängigkeit auf Makroebene ist ebenfalls ein Bestandteil dieses Forschungsprojekts.
Zudem bildet die Absetzung Avians von seinen Vorbildern einen wesentlichen Teil dieser Arbeit. Nicht allein Auswahl und Neuanordnung, sondern auch die Verwendung von solchen Fabeln, deren Vorlagen uns heute völlig unbekannt sind, wenn sie nicht sogar von Avian selbst stammen, sind Charakteristika seines Werks.
Diese Arbeit soll nach einer methodischen Hinführung, die literarisch-kompositorische und fabelspezifische Aspekte miteinander vereint, eine formal-ästhetische Perspektive auf Avians Fabelwerk eröffnen, seine Abhängigkeit wie auch seine Neuartigkeit gegenüber seinen Vorgängern zeigen und somit unser Bild von dem spätantiken Fabeldichter erweitern.
Curriculum Vitae
Stellvertretender Promovierendensprecher des DFG-Graduiertenkollegs 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“
Kollegiat beim DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lehrkraft für Latein, Geschichte und Mathematik an der Evangelischen Gemeinschaftsschule Erfurt
studentische und später wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Altertumswissenschaften, Lehrstuhl für Latinistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veröffentlichungen
Zusammen mit Schmidt, Raffael und Viola, Diego: Tagungsbericht: (Re)Create: Towards a Theory of Heteronomous Texts, in: Hsozkult, 23.01.2025.
Präsentationen
Kolloquium des GRK 2792, Vortragstitel: „Avian und die Fabel im Kontext heteronomer Texte“
Kolloquium des GRK 2792, Vortragstitel: „Collectio und Renarratio am Beispiel von Avians spätantiken Fabelbuch“
Workshop „Ancient Fables in a Late Antique Guise – New Approaches to Avianus“ (Universität Graz); Vortragstitel: „Avianus – Studies on his Pre-Texts and their Processing“
Kolloquium des GRK 2792, Vortragstitel: „ludere in aquis - Aspekte der Poetologie von Avians Fabelbuch im Kontext von Heteronomie und Autonomie“
Workshop „ad terras ab arce poli – Space in Ancient Fables“ (Universität Graz); Vortragstitel: „ludere in aquis – The Meaning of Coasts and Waters in the Fablebook of Avianus“
Konferenz „Aesopus talem tum fabellam rettulit. Narratological Approaches to Ancient Fables“ (Universität Graz); Vortragstitel: „Confectus senio. Narratological Aspects of Age, Effort and Death in the Works of Phaedrus and Avianus“