Johannes Seidel

Assoziierte/-r Promovierende/-r
Altes Testament

Johannes Seidel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Hannes Bezzel am Fachbereich Altes Testament der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach Abschluss eines Lehramtsbachelors in Mathematik und Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit Studienaufenthalten in Basel (EUCOR) und Jerusalem (Theologisches Studienjahr) absolvierte er einen Master in Christentum und Kultur mit dem Schwerpunkt Altes Testament und dem Nebenfach Assyriologie an der Universität Heidelberg. Seine wissenschaftliche Tätigkeit begann an der Universität Leipzig im Rahmen eines Drittmittelprojekts zu westsemitischen Text-Amuletten unter der Leitung von Prof. Dr. Angelika Berlejung. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt an der Tel Aviv University unter der Betreuung von Prof. Dr. Dalit Rom-Shiloni, wurde er über die Arbeit "Natur denken im Alten Israel: Eine umweltgeschichtliche Studie am Beispiel der Zeder des Libanon" promoviert. Sein Forschungsschwerpunkte liegen auf Pflanzen und Naturvorstellungen der Hebräischen Bibel.

Forschungsprojekt

"Natur denken im Alten Israel: Eine umweltgeschichtliche Studie am Beispiel der Zeder des Libanon"

Die Zeder des Libanon nimmt im Pflanzendiskurs des Alten Orients eine herausragende Rolle ein, wie ihre dominante Präsenz in der Hebräischen Bibel und im Gilgameš-Epos eindrücklich belegt. Während die bisherige alttestamentliche Forschung primär numinose und mythische Dimensionen untersuchte, verfolgt die vorliegende Dissertation einen umweltgeschichtlichen Ansatz und analysiert die Zeder als paradigmatisches Denkobjekt für die Mensch-Umwelt-Beziehung. Das Naturverständnis der israelitischen Menschen wird anhand dreier Fragestellungen untersucht: Erstens wird analysiert, welche Vorstellungen von Natur in biblischen Repräsentationen von Wald und Zeder deutlich werden. Zweitens wird erfragt, wie die Nutzung und Verarbeitung der Ressource Zeder reflektiert wurde. Drittens stehen die weltanschaulichen und räumlichen Kontexte, in die die Zeder eingebettet wurde, im Fokus. Die Ergebnisse zeigen, dass Natur nicht ausschließlich als Schöpfung, sondern darüber hinaus im Rahmen eines soziomorphen Weltbildes begriffen wurde, in dem Pflanzen – wie die Jotamfabel exemplarisch belegt – in gesellschaftliche Ordnungsmuster eingebettet sind. Weiterhin lässt sich nachweisen, dass israelitische Menschen im Sinne einer „frühen Naturwissenschaft“ eine differenzierte Unterscheidung von Hölzern vornahmen. Formen synthetischen und taxonomischen Denkens an der Zeder problematisieren zudem die Unterscheidung von „griechischem“ und „hebräischem“ Denken. Während die erste Erkenntnis Relevanz für gegenwärtige Diskurse über einen biblisch fundierten Umgang mit der Natur besitzt, reflektiert die zweite den Beginn naturwissenschaftlicher Forschung und die Bedeutung botanischen Wissens für das Verständnis biblischer Bildsprache. So zeigt die Studie, dass trotz des hohen Kenntnisstands die Botanik allein nicht den Schlüssel zum Verständnis pflanzlicher Metaphorik in der Bibel liefert. Jeder bildliche Gebrauch von Pflanzen bedarf einer integrativen archäobotanischen und exegetischen Analyse, um Selektions- und Transformationsprozesse zu rekonstruieren und die Eigenlogik der jeweiligen Bildsprache aufzudecken.

Curriculum Vitae

07/2026

Abschluss der Dissertation "Natur denken im Alten Israel: Eine umweltgeschichtliche Studie am Beispiel der Zeder des Libanon"

04/2024 - 09/2024

Erwerb Zertifikat Lehrqualifikation Basic an der Servicestelle LehreLernen der Friedrich-Schiller-Universität Jena

06/2022 - 06/2023

Einjähriger Forschungsaufenthalt an der Tel Aviv University unter Betreung von Dalit Rom-Shiloni finanziert durch das Sandwich Scholarship seit

seit 10/2021

Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Herrn Prof. Dr. Hannes Bezzel (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

seit 01/2020

Dissertationsprojekt: „Die Zeder als Schlüssel zu den Naturverständnissen der Hebräischen Bibel“

09/2019 - 09/2021

Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt der German Israel Foundation: „Between Materiality and Scribal Magic: West-Semitic Textual Amulets from the First Millenium BCE to the Rise of Islam“ (Universität Leipzig)

08/2019

Abschluss Master Christentum und Kultur mit der Masterarbeit: „Das Gebiss der Junglöwen zermalme, Herr!“ Psalm 58 und seine „Flüche“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg September

09/2017

Abschluss Polyvalenter Zwei-Hauptfachbachelor: Katholische Theologie und Mathematik mit der Bachelorarbeit: Abraham als Erzähler seines Aufenthalts in Ägypten – Ein Vergleich der Erzählweise von Gen 12,10-20 und 1QGenAp XIX 10-XXI 4“, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.B. 2014 – 2019 Hilfstätigkeit als Tutor für Hebräisch, Herausgabe ZAW, Herausgabe ThWQ

10/2012 - 08/2019

Studium in Basel, Freiburg, Jerusalem, Heidelberg der Katholischen und evangelischen Theologie (Christentum und Kultur), Mathematik und Assyriologie

Veröffentlichungen

Seidel, Johannes. „Jotham’s Fable: A Call for Resistance“. HeBAI 15, Nr. 2 (2026): 216–31.

Art. Tel Ănāfā, in: WiBiLex (2025)

Art. Golan, in: WiBiLex [in Vorbereitung]

Art. Hermon, in: WiBiLex [in Vorbereitung]

The Cedar Tree and Fears – Substances and Their Effect on Emotions in Rituals, in: Angelika Berlejung und Gideon Bohak (Hgg.), Amulets of Protection and Texts for Fears in Antiquity, (ORA 57), Tübingen: Mohr Siebeck 2024, 147–164.

Art. Bet-Horon, in: WiBiLex (2022)

Art. Tekoa, in: WiBiLex (2021),

Präsentationen

12/2024

Vortrag: „Welche Einblicke geben die Naturvorstellungen der Hebräischen Bibel in das hebräische Denken? Eine umweltgeschichtliche Untersuchung am Beispiel der Zeder“ Mainz, Erbacher Hof, im Rahmen der DPV-Tagung „Aktuelle archäologische und historische Forschungen zur südlichen Levante“

11/2023

Vortrag im Kolloquium des DFG-Graduiertenkollegs 2792 „Autonomie heteronomer Texte in der Antike und im Mittelalter“ zum Thema: „‚Seine Gestalt ist wie der Libanon, auserlesen wie Zedern.‘ (Hld 5,15; ELB) – Die Zeder als Zugang zu Naturverständnissen der Hebräischen Bibel“

10/2023

Vortrag im Rahmen der „Grazer Woche“ der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig zum Thema: „Die Zeder als Zugang zu Naturverständnissen der Hebräischen Bibel – Die realienkundliche Perspektive“

07/2023

Vortrag “Jothams Fable A Call to Resistance”, Universität Bar-Ilan, im Rahmen der Minerva Konferenz “Non-Violent Resistance: Multi-Disciplinary Perspectives from the Past, Present and Future for Todays Democracies”

05/2023

Vortrag “The Cedar Forest on Fire (Judg 9:15) An Analysis of a Nature Observation in the Hebrew Bible”, Universität Tel Aviv, im Rahmen der Konferenz “Conceptualizing Nature in Eastern Mediterranean Cultures of the Second First Millennia BCE: The Use of Textual and Pictorial Evidence”

03/2022

Vortrag „Die Zeder in 2 Kön 14,9 ein Einblick in das deuteronomistische Naturverständnis“, Universität Leipzig, im Rahmen der Internationales Colloquium der Deutschen Orientgesellschaft

05/2022

Vortrag “The Cedar Tree and Fear in Ritual Context. Does the Use of the Cedar Reflect a Concern for the Fears of the Participant?”, Online, im Rahmen eines Internationalen Workshops des GIF-Projekts “Between Materiality and Scribal Magic”

10/2021

Vortrag „Widder, Götter oder eine paradoxe Formulierung? Ein neuer Übersetzungsversuch für Ps 58,2“, Erfurt, im Rahmen der Alttestamentliche Arbeitsgemeinschaft (ATAG)

03/2021

Vortrag „Phoenician Amulet Cases“, Ort, im Rahmen eines Internationalen Workshops des GIF-Projekts “Between Materiality and Scribal Magic”