Raffael Schmidt

Postdoktorand/in
Alte Geschichte

Raffael Schmidt ist Althistoriker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“. Er erlangte seinen Bachelor-Abschluss in Geschichte und Antiker Kultur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, seinen Masterabschluss in Alter Geschichte an derselben Universität. Im Jahr 2026 wurde er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit einer Dissertation zur Livius-Tradition promoviert, die Timo Stickler (Alte Geschichte, Jena), Meinolf Vielberg (Latinistik, Jena) und Jan-Markus Kötter (Alte Geschichte, Düsseldorf) betreut wurde. In dieser Studie untersuchte Raffael das Verhältnis postlivianischer Autoren zum opus magnum des Titus Livius und entwickelte auf dieser Grundlage Rekonstruktionsvorschläge zu ausgewählten Personenbildern der livianischen libri amissi. Sein neues Forschungsprojekt widmet sich nun der Geschichte des klassischen Argos. Im Zentrum steht die Frage, mit welchen politischen Mitteln die Polis zwischen etwa 550 und 322 v. Chr. ihr Ziel einer Ausbildung bzw. Rückgewinnung einer hegemonialen Stellung auf der (Nordost-)Peloponnes verfolgte. Seine allgemeinen Forschungsschwerpunkte umfassen die griechische Klassik, die Geschichte und politische Kultur der römischen Republik, Livius (besonders die verlorenen Bücher) und die postlivianischen Autoren (besonders Florus und Iulius Obsequens) sowie die Verarbeitung antiker Stoffe im internationalen Autorenkino.
 

Raffael Schmidt

Friedrich-Schiller-Universität Jena
GRK 2792 (Theologische Fakultät)
Fürstengraben 6
07743 Jena

Forschungsprojekt

Argos. Kritische Geschichte einer klassischen Polis zwischen Anspruch und Wirklichkeit (550–322 v.Chr.)

Das Projekt beleuchtet die politische Geschichte des klassischen Argos (ca. 550–322 v. Chr.). Die Stadt verlor am Übergang von der archaischen zur klassischen Zeit ihre frühere Machtstellung auf der Peloponnes an das ihr zumeist feindlich gesinnte Sparta. Zu einem dauerhaften Verlust des hegemonialen Einflusses in der Argeia oder gar zu einer politischen Abhängigkeit vom mächtigen Nachbarn kam es in klassischer Zeit hingegen nie. Im Gegenteil: Trotz großer Rückschläge versuchte Argos bis zum letzten Viertel des 4. Jahrhunderts immer wieder, politische Handlungsspielräume zurückzugewinnen oder zu erweitern. Mit strukturellen Besonderheiten wie einer Demokratie eigenen Zuschnitts, ausgeprägten mythopoetischen Vergangenheitskonstruktionen und rätselhaften Territorialerweiterungen eröffnet Argos einen instruktiven Zugang zur Erforschung des sog. Dritten Griechenland.

Ziel des Projekts ist es, bekannte Ereignisabfolgen, Prozesse und strukturelle Zusammenhänge aus dezidiert argivischer Perspektive zu erhellen. Zur Schärfung des Verständnisses dieser bemerkenswerten Polis in klassischer Zeit müssen auf zwei zentralen Ebenen unterschiedliche Perspektiven systematisch zusammengeführt werden:

Erstens auf der Ebene der Quellen: Bislang wurden archäologische, epigraphische und literarische Zeugnisse allzu häufig getrennt analysiert. Da – von wenigen Fragmenten des Akusilaos abgesehen – sämtliche Schriften argivischer Autoren der Klassik verloren sind und literarische Darstellungen Argos nahezu ausschließlich aus externer Perspektive erfassen, kommt den materiellen und epigraphischen Überrestquellen als innenperspektivischem Korrektiv besondere Bedeutung zu. Eine integrierende Gesamtbetrachtung des gesamten Quellenmaterials ist daher unerlässlich. Zweitens auf der Ebene des geschichtswissenschaftlichen Zugangs: Sozial-, kultur-, institutions- und ereignisgeschichtliche Fragestellungen leisten jeweils für sich genommen wesentliche Beiträge zum Verständnis des klassischen Argos, entfalten ihr volles Erkenntnispotential jedoch erst im Zusammenwirken. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die zentrale Leitfrage des Projekts: Mit welchen politischen Mitteln verfolgte Argos zwischen etwa 550 und 322 v. Chr. sein Ziel der Ausbildung bzw. Rückgewinnung einer hegemonialen Stellung auf der Peloponnes?

Eine monographische Studie, die sich systematisch der ereignisreichen und von tiefgreifenden Transformationen geprägten Geschichte des argivischen Staates zwischen ca. 550 und 322 v. Chr. widmet, liegt bislang nicht vor. Das Projekt adressiert somit ein bisher unzureichend behandeltes Desiderat der Forschung. 

 

Curriculum Vitae

seit 06/2026

Post-Doc im DFG-Graduiertenkolleg 2792 "Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

seit 04/2025

Lehrbeauftragter des Lehrstuhls für Alte Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

01/2023 - 12/2023

Promovierendensprecher des DFG-Graduiertenkollegs 2792 "Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter"

01/2023 - 05/2026

Doktorand am DFG-Graduiertenkolleg 2792 „Autonomie heteronomer Texte in Antike und Mittelalter“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

04/2021-03/2023

Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Klassische Philologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

09/2022 - 03/2023

Lehrbeauftragter des Instituts für Klassische Philologie der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

10/2020 – 07/2022

Master der Geschichtswissenschaft (Schwerpunkt: Alte Geschichte) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

04/2018 – 03/2020

Studentische Hilfskraft an den Instituten für Klassische Philologie und Alte Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

10/2015 – 09/2019

Bachelor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in den Fächern Geschichte und Antike Kultur

05/2015

Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Leverkusen

26/09/1997

geboren in Troisdorf

Veröffentlichungen

Monographie

Die Livius-Tradition. Studien zu den Postlivianern und den libri amissi des Livius (Dissertation, Veröffentlichung in Vorbereitung)

Herausgeberschaften

Mit Friedrich, E. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, in Vorbereitung. Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)

Aufsätze

Ein bellum iustum gegen Rom? Zur diskursiven (Re-)Konstruktion des Galliersturms (390/387 vC) in der Livius-Tradition, in: Diez, G./ Steilmann, E. (Hgg.), Gerechter Krieg in der Antike (akzeptiert, erscheint voraussichtlich 2026).

Ovid und Hitchcock. Die Metamorphoses als Prätext für Vertigo (1958), in: Bezzel, H. und Marshall, S., Seeing Further from the Shoulders of Giants: Heteronomous Texts from Theology, Philosophy, Poetry, Law, and Medicine in Antiquity and the Middle Ages (akzeptiert, erscheint voraussichtlich 2027).

Bemerkungen zu den Begriffen epitoma und breviarium in der lateinischen Literatur (akzeptiert, erscheint in Hermes, vorraussichtlich 2027)

Zwei Prozesswellen gegen imperatores victi im 2. Jahrhundert v. Chr. Zur Vertrauenskrise der römischen Republik (eingereicht, in Peer-Review)

The Livian Pompey. A Fallen Alexander?, in: Friedrich, E./Schmidt, R. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)

Introduction, in: Friedrich, E./Schmidt, R. (Hgg.), Ambiguities in Livy (Sammelband, Veröffentlichung 2027 in der Brill-Reihe „Historiography of Rome and ist Empire“)

Sonstiges

Philipp V., in: Bräckel, O. et al. (Hgg.), Amici Populi Romani. Prosopographie der auswärtigen Freunde Roms (In Vorbereitung, erscheint Dezember 2026)

Perseus, in: Bräckel, O. et al. (Hgg.), Amici Populi Romani. Prosopographie der auswärtigen Freunde Roms (In Vorbereitung, erscheint Dezember 2026)

Zusammen mit Mehner, A. und Viola, D., Tagungsbericht: (Re)Create: Towards a Theory of Heteronomous TextsExterner Link, in: Hsozkult, 23.01.2025

Rezension: Weber-Pallez, Clémence; Vance, Evan (Hrsg.): Argos Through the Argive Lens. A Reappraisal of an Ancient City, Paris 2026, in: H-Soz-Kult, 22.06.2026,

Präsentationen

14.11.2025 (Rostock)

The Livian Pompey. A Fallen Alexander?

27.01.2025 (Marburg)

Livius rekonstruieren? Das Portrait des Scipio Aemilianus in den livianischen libri amissi

16.12.2024 (Jena)

Die Livius-Tradition als historischer Diskurs: Überlegungen zur (Re-)Konstruktion der Römischen Republik in der Kaiserzeit

30.11.2024 (Jena)

Das Portrait des Tib. Gracchus in den libri amissi des Livius

21.06.2024 (Göttingen)

Die Livius-Tradition: Rezeption und Rekonstruktion

16.11.2023 (Graz)

Livius rekonstruieren? Das Personenportrait des Marius im Spiegel der Livius-Tradition

13.11..2023 (Jena)

Epitoma oder Breviarium? Terminologische Klärungen am Beispiel postlivianischer Werke

23.5.2023 (Jena)

Die Livius-Tradition zwischen informationeller Heteronomie und autonomer Identität

13.12.2021 (Düsseldorf)

Römische Militärdesaster von Cannae bis Arausio. Erklärungsansätze und Konsequenzen